Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem Großpriorat Ostarrichi – Malta

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Milizgütesiegel

März 2018

SCHRIFT~Lectio  Genesis 1, 26 bis 28.

Liebe Schwestern und Brüder in CHRISTO!

Es ist ein uralter Traum des Menschen, mechanische ‚Wesen‘ zu besitzen, die auf Commando

ihrer Meister schwere, verwickelte oder auch gefährliche Tätigkeiten verrichten. Der genius

universalis Leonardo da Vinci (1452-1519), seiner Zeit äonenweit voraus als Ingenieur, hat

vor einem halben Jahrtausend zahlreiche Maschinen entworfen, die dem Menschen bei der

täglichen Arbeit wie auch bei der Kriegsführung beistehn sollten, sogar mit einer, wenn auch

stark limitierten Selbsttätigkeit = das heißt, die Apparate waren so concipiert, daß sie einen

speciellen Bewegungsablauf, heut sagt man: ein ‚Programm‘ ausführen konnten. Mit Schmunzeln

denk ich dabei an den von Maestro Leonardo erdachten ‚Protokollroboter‘ (C-3PO läßt grüßen!),

eine Maschine in Menschenform, die bei Hausfesten vor dem Portal des palazzo stehn und die

Ankömmlinge mit Verbeugung, Gesten und gar mit akustischer Performanz begrüßen sollte.

Eine Nachconstruction dieses mechanischen Werks war anno 2008 in einer dem genialen

Künstler gewidmeten Sonderausstellung im Wiener Schottenstift zu sehn. = Der Mensch…

die Krone der Schöpfung. Er soll das ihm vom HERRN anvertraute Erschaffene verwalten und

voller Verantwortungsbewußtsein beherrschen. Es ist verständlich, daß der homo sapiens

hiebei ab und zu übermütig wird, sich zum ‚Schöpfer zweiter Stufe‘ aufschwingt und probiert,

handelnde oder gar denkende Maschinenwesen zu construieren. Wieder kommt mir etwas

Heiteres in den Sinn: der ‚Schachtürk‘ des Inventors Wolfgang Ritt. v. Kempelen (1734-1804),

jenes genialen Ingenieurs, der unter anderem die selbstregulierende Wasserpumpe der

Fontänenwerke zu Schnönbrunn concipiert hat. Der Schachtürk war eine Maschine (ob ein

kleinwüchsiger menschlicher Schachsupermeister darin verborgen war, ist nie bewiesen

worden; dies bleibt auch offen, zumal der Apparat 1854 in einem americanischen Museum

leider verbrannt ist), an der eine turbantragende mechanische Gestalt die Schachfiguren auf

dem Brett bewegt hat. Der ‚Türk‘ ist auch Kaiserin Maria Theresia vorgeführt worden, weiters

hat er nebst vielen andern König Friedrich II. v. Preußen und Kaiserin Katharina II. v. Rußland

locker geschlagen, die letztere hat darob gar einen Wutanfall bekommen. Edgar Allan Poe hat 

gemeint, den Beweis fürs ‚Getürktsein‘ (tatsächlich… daher diese Redewendung) des Türken zu

liefern, indem er behauptet hat, eine Maschine handle stets nach exacter logischer Calculation,

mache keine Versehnsschnitzer und müsse daher immer obsiegen; da aber der Apparat, wenn

auch höchst selten, bisweilen mal in einer Partie unterliege, müsse zwingend ein Mensch darin

versteckt sein. Diese ‚deductio‘ ist aber Unsinn. 1977 hat Großmeister Ludek Pachman einen

Riesencomputer nonchalant geschlagen; ich hab die Partie gesehn, und der freudige Commentar

des böhmaklnden Siegers klingt mir noch in den Ohren: „Das hirr ist ein besonderrs scheenerr

Matt: alle drei Figurren stehn ieberreinanderr“. Großmeister Garri Kasparov hat 1989 noch fest

behauptet, er werde niemals von einem Schachcomputer geschlagen… Aber schon 2003 hat er

seine zehn Partien gegen zwei Hochleistungsrechner nur (oder: immerhin!) zur Hälfte siegreich

bestritten. Nach soviel Heiter=Geschichtlichem sei die schwere theologische wie philosophische

quaestio formuliert: was soll die Elektronik können… und vor allem was soll, oder stärker: was

darf sie nicht können. = Inzwischen sind die Rechner allgegenwärtig, oft gar in penetranten,

’nervigen‘ Ausmaßen. Nun wieder ein kurzes Lächeln: IBM=Präsident Thomas J. Watson hat 1943

gemutmaßt: „Ich denke, daß es weltweit einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt“. 75 Jahr‘

danach ist nahezu jeder Lebensbereich elektronisiert. Ob das ein Fortschritt ist… ja und nein.

Einerseits wird hiedurch vieles erleichtert und beschleunigt, anderseits sind wir davon zu sehr

abhängig geworden: wenn die Rechner ‚bocken‘, etwa auf Bahnhöfen, in Göldinstituten oder

in Officialgebäuden mit Publicumsverkehr, dann sind die Dienstleister ratlos. Neben dieser

wachsenden Abhängigkeit besteht auch die Gefahr der Verselbständigung der Maschine. Zur

Zeit noch eine Schreckensvision der futurologischen Kinostreifen… gleichwohl streiten sich die

Gelehrten=Collegen darüber, ob Künstliche Intelligenz nichts als Simulation menschlicher 

Denktätigkeit sei und immer bleibe, oder ob die Maschine eines fernen Tags das Dictat an sich

reißen könne und gegen den Menschen Krieg zu führen vermög… Der americanische Philosoph

Hubert L. Dreyfus ist der Ansicht, daß Computer vieles nicht können und auch nie ‚lernen‘; er

meint gar, daß „das Forschungsprogramm der Künstlichen Intelligenz zum Scheitern verurteilt“

sei. Elon Musk hingegen warnt vor der zerstörerischen Kraft elektronischer ‚Wesen‘, er fürchtet

sich vor dem Möglichsein dessen, daß Rechner selbsttätig entscheiden, ob sie einen militärischen

Angriff führen: Kriege könnten demnach „nicht von Staatschefs, sondern von einer Künstlichen

Intelligenz initiiert werden“. Das sind nur zwei exemplarische Aussagen von zehntausenden; über

diesen Stoff wird heut fortwährend debattiert. Wer nun recht hat, werden wir vielleicht um 2050 

wissen… = Ich bin zuversichtlich und mein, daß unser HERR Seinem Geschöpf Grenzen setzt und

dem Menschen nicht erlaubt, selbständig denkende und handelnde Maschinen zu erschaffen, die

das Commando übernehmen könnten ~ ebenso wie ER es dem Menschen nicht gestattet, Lebewesen, 

etwa den berüchtigten ‚homunculus‘, im Laboratorium herzustellen. Zugleich ist der Mensch selbst gefordert: Fortschritt hin oder her, er darf nicht der hybris nachgeben und seinen eigenen Gegner zu erbauen suchen, welcher außer Controlle gleiten und die Welt des homo sapiens knechten und

zerstören kann. Der HERR geb uns stets die Einsicht und die Demut: wir Menschen sind Geschöpfe, 

vom ALLMÄCHTIGEN in Seiner Allweisheit reichlich beschenkt, aber auch mit schützenden 

Grenzen  bedacht; wir sollen für beides dankbar sein und mit all diesem ein Dasein führen

ad maiorem DEI gloriam.

CHRISTUS spricht: DATA EST MIHI OMNIS POTESTAS IN COELO ET IN TERRA

MIR ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. (Matth 28,18.)

 

 

  Amen.