Militärischer und Hospitalischer Orden des Heiligen Lazarus von Jerusalem Großpriorat Ostarrichi – Malta

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Milizgütesiegel

November 2016

SCHRIFT~Lectio Matthäus 5, 9

Liebe Schwestern und Brüder!

Es wird hie und da, gewiß begründeterweis, kritisch angemerkt, daß
ich zu zeitgeschichtlichen Begebenheiten respective zu Actualitäten
von Staat, Gesellschaft oder gar Wirtschaft fast nie Stellung bezieh
und in diesen monatlichen Gedanken lieber zwischen Akademischer
Gelehrsamkeit und schrägem Anekdotisieren hin und hersegel. Um
hierauf zu antworten stellen wir die GOTTESbeweise auflockernd zurück.

Abgesehn davon, daß obiges seit über dreißig Jahr‘ meine individuelle
Handschrift ist, seh ich im Tagesgeschehn wenig Auslegungswürdiges.
Der undurchschaubare Ballawatsch mit dem Geldinstitut, das das Kürzel
H.A.A. trägt… die Kuverts zur Wahl des Ersatzkaisers, an denen der
Kleister net gepappt hat… Ceta und Mordio wegen eines sogenannten
(wirklich nur so genannten) ‚Freihandelsabkommens‘, dessen Inhalt
keiner begreift und dessen Folgen momentan niemand vorausschaut…
der stete Streit um die Futternürscherl in der Regierungs=Coalition…
und noch einiges weitere… Gewiß kann man all dies als ‚wichtig‘
einstufen, aber so aufregend sind diese Sachen nicht, daß wir hierzu
speciell aus theologischer Sicht Stellung nehmen sollten. Ich bin kein
Politiker (wollt’s mal werden, aber die Parteien wollten mit so’nem
Freigeist wie mir nix anfangen) und auch kein Unternehmer (das wollt
ich nie werden, bin dafür net Gauners genug, im wohlwollendsten
Sinne dieses Begriffs), also: Nec sutor ultra crepidam. Gleichwohl
gibt es eine Actualität, die einen Gedankenlauf auf ein christliches
Ziel hin verlangt: das ist der zunehmende Unfrieden auf der Welt,
von Stellvertreterkriegen zwischen Großmächten über schändliche
Terroranschläge bis zu den ekligen Horror=Clowns in Großstädten.

Ich führ hier dreist ein Begriffspaar ein: Unfrieden von oben und
Unfrieden von unten. Der erste ist von den Politikern verordnet, denn
Kriege können, zumindest für die Sieger, Machtzuwachs zeitigen = und auf
jeden Fall verdienen die Wirtschaftskapitäne ein Riesen=Geld dran, dies
gar auf beiden Seiten. Machthunger und Besitzgier sind menschliche
Grundeigenschaften. Wir können jetzt einwerfen: Dies m u ß so sein, denn
ohne Obrigkeit und ohne Unternehmertum würde die Menschheit einerseits
im Chaos versinken, anderseits in Stagnation verwahrlosen. Doch weil
menschenverachtende, nennen wir’s ruhig so: böse Leute in den Reihen der
politischen und wirtschaftlichen ‚Prominenz‘ die Mehrung von Macht und Geld im
Kriegführen sehn, hat es den Unfrieden auf der Welt immer gegeben. Wir können
resignieren mit dem Satz: wir vermögen nichts dagegen zu tun. Oder… wir rufen
auf, zunächst im eignen Bekanntenkreis, denn grad Christliche Ritter sind hier
gefordert: Freunde! Ihr, die Ihr von Eurer Glaubenskraft und Familientradition
her gefeit seid gegen die Seduction und Corrumpierbarkeit durch Macht und Geld,
sollt in die Politik gehn!… und dies gilt weltweit. In mit Weisheit gelenkten Staaten
(dies hat schon Platon gefordert, cf. Politeía, 473cde) ist der GOTTESFRIEDEN,
die TREUGA DEI, verwirklichbar. Ein langer Weg, aber ein menschheitsrettender.
Der zweite, der Unfrieden von unten, ist ein Product der Verbitterung und des
Gefühls der Unsicherheit. Sociale Mißstände, an denen die Zuständigen mit
Fleiß vorbeischaun, oft grad in den reichsten Ländern… durch Staatslenker
verlautbarte Zusagen, die nicht gehalten werden… der ‚Neoliberalismus‘,
der die Plutokratie stärkt, die Interessen der Einzelperson negligierend…
eine düstere Zukunftsschau… = all dies führt viele Menschen, vorwiegend
in der jungen Generation, in eine Sinnkrisis. Und einige meinen, sie müssen
mit den Werkzeugen verbrecherischer Gewalt für das kämpfen, was sie, teils
berechtigt, teils irrtümlich, als Gerechtigkeit anschaun… um hiedurch sich
selbst den Daseins=Sinn zurückzugeben. Diesem Irrweg, auf welchem vieles
zerstört und nichts repariert wird, ist nur mit mehr socialer Gerechtigkeit,
mehr politischer Vertrauenswürdigkeit, mehr lebenswerter Perspective
Einhalt zu gebieten. Vor allem die Obrigkeit ist gefordert, und zwar auf
lange Sicht… und da sind wir wieder beim mit Weisheit und Augenmaß
gelenkten Staat… und der Kreis unsrer Gedanken schließt sich.

CHRISTUS spricht: BEATI PACIFICI QUONIAM FILII DEI VOCABUNTUR.
SELIG SIND DIE FRIEDENSSTIFTER, DENN SIE WERDEN GOTTES KINDER HEISSEN.

Amen.

Ich wünsch uns allen eine gesegnete Sancti Martini Feier mit einem reschen Gansl.